Museum Deutsche Einheit

Bad Bodenteich


Aufbau und Wandel des BGS

unter Bezugnahme auf den Standort Bodenteich


Bereits 1954 zogen die ersten BGS-Angehörigen in Räumlichkeiten der ehemaligen Heeres-Munitionsanstalt Bodenteich ein. Von hier aus waren es lediglich noch rd. 4 km bis zur Grenze östlich Schafwedel. Bis zur Standortschließung wurden hier Dienstanfänger - zeitweise auch Wehrpflichtige - für den Dienst mit der Waffe an der Grenze ausgebildet. Das Einsatzgebiet der "Grenzer" erstreckte sich zuletzt an der innerdeutschen Grenze auf eine Länge von rd. 60 km von Bergen/Dumme im Norden bis nach Rüden am Mittellandkanal im Süden.

 

Ab 1976 wurde der gesamte Bundesgrenzschutz unter der Ressortverantwortung des damaligen Bundesinnenministers Hans-Dietrich Genscher massiv und nachhaltig reformiert. Der bis dahin vorhandene "Einfache Dienst" mit den Dienstgraden "Grenzjäger, Grenztruppjäger, Grenzoberjäger und Grenzhauptjäger" wurde endgültig abgeschafft. Einstellungsamt war nunmehr "WACHTMEISTER". Gleichzeitig wurden die Ausrüstung des Bundesgrenzschutzes und die gesamte Ausbildung durch Einführung eines neuen Dienstrechts an die entsprechenden Grundlagen der Länderpolizeien angeglichen. Die bisherige 3-monatige "Grundausbildung wurde von einer 1-jährigen Grundausbildung (1. Dienstjahr) ersetzt. Es schlossen sich das 2. Dienstjahr in einer Einsatzabteilung und danach der 6-monatige Laufbahnlehrgang für die Laufbahn des "Mittleren Dienstes" an. Danach begannen die Spezialausbildungen in den Dienstbereichen, in denen die jungen Beamten anschließend verwendet werden sollten.

 

Nach Umwandlung der Einsatzabteilung Bodenteich (GSA II/6) in eine reine Ausbildungseinheit (GSA A 1) haben einige tausend Männer (ab 01.04.1990 auch Frauen) den Polizeidienst beim Bundesgrenzschutz, den Standort Bodenteich und seine liebenswerten Menschen kennengelernt.

 

Die BGS-Beamten nahmen in den zahlreichen Vereinen am gesellschaftlichen Leben in Bodenteich teil. Nicht wenige der hier ausgebildeten Beamten sind hier wohnhaft und endgültig ansässig geworden. Zunächst fanden viele BGS-Beamte in Mietwohnungen im Waldweg ihr Zuhause. Viele kurzfristige bzw. dauerhafte Freundschaften sind entstanden.

 

Nach einem sehr emotionalen Auflösungsappell (im September 1998 auf dem Gelände der Burg Bodenteich) wurde die Truppenfahne des BGS-Standortes an den Flecken Bad Bodenteich übergeben und der „schönste aller BGS-Standorte“ aufgelöst. Für die hier stationierten BGS-Beamten (Stammpersonal) und deren Familien begann eine sehr schwierige Zeit. Sie wurden an andere BGS-Standorte – unter anderem in den neuen Bundesländern – abgeordnet bzw. versetzt. Viele von ihnen führten fortan über Jahre hinweg mit ihren Angehörigen Wochenendbeziehungen. Nicht wenige kehrten Bodenteich während dieser schwierigen Zeit den Rücken, um sich am neuen Dienstort neu zu orientieren. Auf dem Wohnungsmarkt in Bodenteich wurden zahlreiche Wohnhäuser von BGS-Angehörigen angeboten.

 

Für die auch heute noch in einem tadellosen Zustand befindliche ehemalige BGS-Unterkunft an der Stadenser Straße wurden seitens der lokalen Politik Hände ringend neue Nutzungskonzepte gesucht. Die "ZIVI-Schule" sowie der so genannte „Victory-Park“ entpuppte sich dabei als „Seifenblasen“.

 

So blieb die ehemalige BGS-Unterkunft leerstehend zurück. Es kehrte nur zeitweise wieder polizeiliches Leben auf dem Gelände ein. Gemeint sind die Unterbringungen von Polizeibeamten im Zusammenhang mit den durchgeführten Castortransporten.

 

Zunächst wurde ein Teilbereich der Gebäude (K-Werkstatt, Fahrschule, K-Hallen) wurde für eine gewerbliche Nutzung von der Firma WERKHAUS käuflich erworben. Die verbleibende Liegenschaft wurde vom Bund öffentlich zum Kauf angeboten. Die abschließende öffentliche Auktion fand am 19.12.2014 im Hotel abba Berlin statt. Hier erhielt ein Logistikunternehmer aus dem Landkreis Uelzen den Zuschlag.

 

Die Flüchtlingskrise der Jahre 2015 führte dazu, dass die zahlreichen leer stehenden Unterkünfte für die Dauer von 5 Jahren vom Land Niedersachsen als Flüchtlings-Notunterkunft angemietet wurden. Für kurze Zeit bewohnten ab Dezember 2015 rd. 600 Flüchtlinge die ehemaligen BGS-Wohneinheiten. Zurzeit stehen die Unterkünfte wieder vollständig leer, da der Flüchtlingszustrom nach Deutschland stark abgenommen hat. Beruhigend ist in diesem Zusammenhang, dass die Liegenschaft nicht sich selbst überlassen wurde, sondern ein gewerblicher Wachdienst für Sicherheit und Ordnung sorgt.

 

Rückblick auf längst vergangene Jahre

 

 

 

 

Blick über den Zaun "unserer" Unterkunft